Interview mit Oliver Wnuk

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Oliver Wnuk wurde 1976 in Konstanz am Bodensee geboren. Nach seiner Schauspielausbildung an der Bayerischen Theater-Akademie „August Everding“ im Prinzenregententheater in München folgten Engagements am Bayerischen Staatsschauspiel sowie am Stadttheater Kon-stanz. 2000 feierte der Wahlberliner sein Kinodebüt in dem Thriller „Anatomie“.

JUPITHER: Wo könnte man Sie in Berlin antreffen, gibt es einen Lieblingsort?

Oliver Wnuk: Am Hauptbahnhof oder am Flughafen – da bin ich öfter. Das sind jedoch keine Lieblingsorte. Ich mag die Stadt als solches sehr gerne und die Möglichkeit, sich jeden Tag einen neuen Lieblingsplatz zu suchen.

JUPITHER: Was in Berlin würden Sie einem Besucher unbedingt zeigen?

Oliver Wnuk: Die Unterschiedlichkeit der einzelnen Bezirke. So was gibt es nur in Berlin. Um das zu erleben, müsste man woanders in verschiedene Städte oder gar Bundesländer fahren.

JUPITHER: Wenn man Ihre Biografie liest, kann man nur staunen über die Vielzahl Ihrer Aktivitäten: Ab 1997 begann Ihre Karriere mit Fernsehauftritten, zum Beispiel in „Der Bulle von Tölz“, „Doppelter Einsatz“ und „Tramitz and Friends“. Ihr Kinodebüt startete in 2000 in dem Thriller „Anatomie“ mit Franka Potente. Ab 2003 bis 2007 spielten Sie in der NDR-Krimireihe „K3 – Kripo Hamburg“ den Oberkommissar Murat Alpay. Von 2004 bis 2012 verkörperten Sie in der ProSieben-Serie „Stromberg“ mit Christoph Maria Herbst die Rolle als Ulf Steinke, ebenso wie in dem Kinofilm „Stromberg“ im Jahr 2014. Von 2012 bis 2015 waren Sie Ensemblemitglied in der WDR-Serie „Die LottoKönige“. Seit 2010 sind Sie Kriminaloberkommissar Hinnerk Feldmann in der ZDF-Reihe „Nord Nord Mord“. Daneben schreiben Sie Theaterstücke, Songtexte für das Album Blau im Blau Ihrer Lebensgefährtin Yvonne Catterfeld, sowie Romane und Hörspiele. Wie schaffen Sie dieses Riesenprogramm?

Oliver Wnuk: Naja, das waren jetzt ein paar Eckpfeiler der letzten 20 Jahre. In der ganzen Zeit ist noch so einiges passiert und ein Privatleben hatte ich ja auch noch. Solange man die Dinge gerne macht und gerne an dem Ort ist, entsteht auch kein Stress. Ich glaube, ein sehr privilegiertes Leben zu führen und bin dankbar.

JUPITHER: Gibt es noch Freizeit und was machen Sie dann am liebsten?

Oliver Wnuk: Ich habe eigentlich immer freie Zeit, die ich mir mit Aufgaben fülle. Als künstlerischer Unternehmer mache ich nicht so den Unterschied zwischen Freizeit und Arbeitszeit. Zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört aber definitiv, mit meiner Familie an schönen Orten zu verweilen.

JUPITHER: Seit 2003 sind Sie Vater, wieviel Zeit haben Sie für Ihre Kinder und Ihre Lebensgefährtin? Wie nehmen Sie sich die Auszeiten dafür?

Oliver Wnuk: Wir brauchen keine ‚Auszeit‘. Wir erleben sehr viel zusammen.

JUPITHER: Haben Sie einen Tipp für andere Paare, wie man anstrengende Berufe und Familie vereinbaren kann?

Oliver Wnuk: Naja. Arbeitszeit ist ja Lebenszeit. Das muss jeder selber entscheiden, was und wieviel diese Wert sein soll. Darüber denke ich viel nach und darüber, warum Berufe ‚anstrengend‘ werden.

JUPITHER: Wie wollten Sie als Kind sein, hatten Sie als Kind schon den Wunsch, Schauspieler zu werden?

Oliver Wnuk: Eine Art Komiker war ich schon mein Leben lang, auch wenn ich eine Zeit lang auch den Beruf des Papstes in die engere Auswahl genommen habe.

JUPITHER: Wofür haben Sie Ihr erstes verdientes Geld ausgegeben?

Oliver Wnuk: Einen Joop Anzug für die Premiere meines ersten Kinofilms. Das war aber schon etwas später. Geld verdient habe ich schon als 12 jähriger Zeitungsverkäufer.

JUPITHER: Auf welche eigene Leistung sind Sie besonders stolz?

Oliver Wnuk: Dass sich so tolle, emotional intelligente Menschen um mich gesammelt haben.

JUPITHER: Es gibt einen riesigen Konkurrenzkampf in der Branche. Macht Ihr Erfolg Sie eitel?

Oliver Wnuk: Nein. Erstens spüre ich keinen Konkurrenzkampf und zweitens ist mein erträgliches Maß an Eitelkeit wohl berufsunabhängig entstanden.

JUPITHER: Was gefällt Ihnen an sich besonders?

Oliver Wnuk: Meine Fähigkeit zuzuhören und mein Humor.

JUPITHER: Und was gar nicht?

Oliver Wnuk: Tja…

JUPITHER: Was bedeutet es Ihnen, prominent zu sein?

Oliver Wnuk: Privat nicht allzu viel. Beruflich ist es ein nicht zu ignorierender Faktor.

JUPITHER: Welche beruflichen Projekte planen Sie für die Zukunft?

Oliver Wnuk: Ich kann nicht aufhören, mich auszudrücken und das wird so lange ich lebe, in Form von gespielten Geschichten, Büchern, Texten und Vorträgen geschehen.

JUPITHER: Gibt es einen Lebenstraum?

Oliver Wnuk: Nein. Ich lebe so, wie ich leben will.

JUPITHER: Was lesen Sie zurzeit, gibt es einen Lieblings-Schriftsteller?

Oliver Wnuk: Ich bin leider zu sehr mit meinen eigenen Texten beschäftigt, dass ich Schriftstellern häufig nicht sehr lange folgen kann. Das ist beschämend. Ich arbeite daran.

JUPITHER: Welche Interview-Frage mögen Sie gar nicht?

Oliver Wnuk: Ich beurteile Fragen nicht in der Kategorie. Ent-weder ich antworte auf eine Frage oder eben nicht.

JUPITHER: Welches politische Projekt würden Sie gerne beschleunigen und was würden Sie sofort ändern, wenn Sie Bundeskanzler wären?

Oliver Wnuk: Sehen Sie, darauf antworte ich zum Beispiel nicht.

JUPITHER: Was ist Ihr Argument für Europa?

Oliver Wnuk: Freiheit.

JUPITHER: Welche guten Seiten hat die Schauspielerei für Sie?

Oliver Wnuk: An der Schauspielerei als solches gibt es nichts auszusetzen. Den Beruf würde ich nur nicht unbedingt empfehlen. Die Chance auf ein stetiges und würdiges Einkommen sind recht gering.

JUPITHER: Und welche schlechten?

Oliver Wnuk:

JUPITHER: Was ist Ihr Plan B, sollten Sie als Schauspieler nicht mehr gefragt sein?

Oliver Wnuk: Zweite und dritte Standbeine sind unerlässlich. Um diese kümmere ich mich aber schon seit vielen Jahren.

JUPITHER: Was wünschen Sie sich von der deutschen Film- und Fernsehlandschaft?

Oliver Wnuk: Mehr Experimentierfreude und weniger Quotengeschiele.

JUPITHER: Ein Ausschnitt aus Ihrer Rede im Mai 2017 zum Evangelischen Kirchentag am Brandenburger Tor: „… wenn wir langfristig etwas verändern wollen, müssen wir, meiner Meinung nach, zudem auch unser Bewusstsein verändern und einen verantwortungsvollen Lebensstil entwickeln. Wir müssen auf den Dominoeffekt bauen und daran glauben, dass unser Handeln im Kleinen zur strukturverändernden Maßnahme im Großen werden kann.“ Ist das ein Lebensmotto für Sie und wie setzen Sie dies für sich persönlich um?

Oliver Wnuk: Darin ging es um den Unterschied zwischen Empathie und Mitgefühl und die Kunst des tiefen Zuhörens. Und ja, Mitgefühl und tiefes Zuhören sind mir wichtige Werte.

JUPITHER: Was ist für Sie der Sinn des Lebens?

Oliver Wnuk: Ich bin immer mal wieder mit einem Text unterwegs, der da heisst „Wnuk denkt laut: der Sinn des Lebens in 20 Minuten“. Sie sehen, zur Beantwortung brauche ich etwas Zeit.

 



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